Auch fünf Jahrzehnte nach seinem Tod ist Spanien noch immer voller sichtbarer Erinnerungen an die Diktatur Francos. In Städten und Dörfern bezeugen Statuen, Tafeln und Straßennamen das Erbe seines Regimes. Eines der deutlichsten Beispiele ist der Siegesbogen in Madrid, der in den 1950er-Jahren zu Ehren von Francos nationalistischen Truppen errichtet wurde.
Vor den Toren der Hauptstadt liegt das Tal der Gefallenen, in dem Zehntausende Opfer des Bürgerkriegs bestattet wurden – viele ohne Zustimmung ihrer Angehörigen. Obwohl Francos Überreste 2019 umgebettet wurden, steht die Anlage weiterhin in der Kritik, weil sie Geschichte einseitig darstellt.
Langsame Veränderungen trotz nationaler Gesetze
2007 verabschiedete Spanien das Gesetz zum Historischen Gedächtnis, das die Entfernung franquistischer Symbole aus dem öffentlichen Raum vorsieht. Mit dem Gesetz über das Demokratische Gedächtnis von 2022 erhöhte die Zentralregierung den Druck auf Kommunen und rückte die Würdigung der Opfer der Diktatur in den Mittelpunkt. Doch trotz dieser Vorgaben geht es nur schleppend voran: Viele Gemeinden haben noch nichts unternommen, einige Regionen stemmen sich offen gegen Veränderungen.
Streit um den Umgang mit der Vergangenheit
Einigkeit darüber, wie vorzugehen ist, herrscht nicht. Aktivist:innen wie Eduardo España fordern, sämtliche Überreste der Franco-Zeit zu beseitigen – für sie sind die Symbole tägliche Mahnmale von Gewalt und Unterdrückung. Andere wiederum meinen, der Staat solle sich nicht in private Entscheidungen einmischen.
Ein Madrider Barbesitzer etwa hat sein Lokal nach einem Franco-Slogan benannt. Der Historiker Daniel Rico schlägt einen Mittelweg vor: Spanien könne bestimmte Relikte behalten, sie aber kontextualisieren – ähnlich wie Deutschland mit seinen schwierigen Geschichtskapiteln umgeht.
Städte wählen unterschiedliche Wege
Manche Kommunen kommen gut voran, andere bewegen sich kaum. In Santander wurden 18 franquistisch geprägte Straßennamen ersetzt. Anderswo – vor allem dort, wo konservative Parteien regieren – stockt der Prozess. Auch die katholische Kirche trägt dazu bei, dass manche Symbole bestehen bleiben, insbesondere an sakralen Gebäuden.
Die Debatte geht weiter
Spanien ringt weiter um den richtigen Umgang mit seiner Vergangenheit. Was bleiben darf und was verschwinden muss, ist schwer zu entscheiden. Für viele Menschen in Europa, besonders in Ländern wie Deutschland, ist es spannend zu beobachten, welchen Kurs Spanien einschlägt. Denn es geht nicht nur um Statuen oder Schilder, sondern darum, wie ein Land sich erinnert, daraus lernt und den Blick nach vorn richtet.

